| |

Ständig krank? Warum das heute als normal gilt und trotzdem nicht gesund ist

Montag Schnupfen, Mittwoch wieder Kita, Freitag Fieber.

Und zwei Wochen später geht alles von vorne los.

Wenn du ein Kita-Kind hast, kennst du diesen Rhythmus wahrscheinlich besser, als dir lieb ist. Und vermutlich hast du auch schon den Satz gehört, der dich beruhigen soll: „Zehn bis zwölf Infekte im Jahr sind bei Kindern völlig normal.“

Ich halte das für falsch.

Zehn bis zwölf Infekte, das ist einmal im Monat. Heute leider Realität, weil es fast jedes Kind betrifft. Aber nur weil es häufig und zur Normalität geworden ist, heißt es nicht, dass es gesund oder natürlich ist. Und wenn wir das eine mit dem anderen verwechseln, hören wir auf, nach dem Warum zu fragen.

Auch das erste Kita-Jahr ist kein Freifahrtschein

Lass uns fair sein: Im ersten Kita-Jahr trifft dein Kind auf eine Flut neuer Erreger. Gleichzeitig macht es einen riesigen emotionalen Schritt. Neue Umgebung, neue Menschen, stundenweise ohne Mama oder Papa.

Dass ein Kind im ersten Kita-Winter drei-, viermal krank ist, also mit Fieber und allem, was dazugehört, und nicht nur mit Schnupfen: Da gehe ich vielleicht noch mit. Das Immunsystem lernt hier gerade im Schnelldurchlauf und der der kleine Körper verarbeitet auf Hochtouren.

Aber einmal im Monat? Und dann noch außerhalb der kalt-nassen Jahreszeit? Das ist aus meiner Erfahrung kein Training mehr. Dann läuft beim Begleiten etwas schief. Und der Fehler beginnt meist schon da, wie wir auf Krankheit blicken.

Ausnahmen gibt es natürlich, zum Beispiel Kinder mit Vorerkrankungen. Aber bei ansonsten gesunden Kindern gilt für mich: Ständig krank hat eine Ursache.

Krankheit hat einen Sinn

Um diese Ursache zu finden, müssen wir kurz einen Schritt zurück. Denn die übliche Erklärung, warum Kinder krank werden, ist: Es hat sich irgendwo angesteckt.

Das stimmt. Aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Aus meiner Sicht als Osteopathin und Heilpraktikerin hat Krankheit bei Kindern einen Sinn, und zwar auf drei Ebenen.

  1. Immunologisch ist jeder Infekt ein Training, aus dem der Körper lernt.
  2. Emotional ist Krankheit oft ein Rückzug, eine Pause zum Verarbeiten.
  3. Körperlich sind Symptome keine Fehler, sondern Lösungsversuche: Fieber bremst Erreger aus, Schnupfen transportiert sie ab, Husten reinigt die Atemwege.

Der Körper deines Kindes macht da überhaupt nichts falsch.

Und genau deshalb lohnt sich die Frage: Wenn er nichts falsch macht, warum kommt er dann nicht zur Ruhe?

Was ich in meiner Praxis immer wieder gesehen habe

Zehn Jahre lang habe ich in meiner Praxis Familien begleitet. Und bei Kindern, die gefühlt nie gesund wurden, tauchten immer wieder dieselben Muster auf:

  • Infekte, die nie zu Ende gehen durften. Fieberfrei heißt nicht auskuriert. Viele „neue“ Infekte sind in Wahrheit der alte, der zu früh zurück in die Kita musste.
  • Emotionale Belastungen, über die keiner gesprochen hat. Kita-Start, ein Umzug, ein Geschwisterchen, Streit zu Hause. Kinder verarbeiten vieles über den Körper.
  • Zu wenig Schlaf, zu wenig Ruhe. Heilung braucht Energie. Ein Kind, das im Dauer-Programm läuft, hat keine übrig.
  • Ernährung und Darm, die nicht mitspielen. Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm.
  • Symptome, die immer wieder unterdrückt wurden.

Der letzte Punkt ist der unbequemste. Und der, über den am wenigsten gesprochen wird.

Der Kreislauf, den kaum jemand sieht

Erinner dich an die erste Ebene: Der Körper lernt aus jedem Infekt. Er bildet eine Art Gedächtnis für den Erreger, damit er ihn beim nächsten Mal schneller erkennt.

Und jetzt stell dir vor, wir unterbrechen diesen Prozess ständig. Fieber wird gesenkt, sobald es da ist. Jedes Symptom wird weggedrückt.

Was passiert dann mit dem Lernen?

Eine Studie, die 2009 im Fachjournal The Lancet erschienen ist, gibt einen Hinweis. Babys bekamen bei ihren Impfungen vorbeugend Paracetamol, andere nicht. Die Babys mit Paracetamol bildeten danach weniger Antikörper. Ihr Immunsystem hatte weniger gelernt.

Gemessen wurde das bei Impfungen, nicht bei Infekten. Aber der Gedanke dahinter ist derselbe: Wer die Immunreaktion dämpft, dämpft auch das, was der Körper daraus lernt.

Und dann passiert das, was so viele Familien kennen. Das Kind ist schnell wieder fit, geht in die Kita. Und zwei Wochen später ist es wieder krank.

Versteh mich nicht falsch: Ich sage nicht „nie wieder Fiebersaft“. Es gibt Situationen, da kann es sinnvoll sein. Aber er sollte eine bewusste Entscheidung sein und nicht eine Reaktion aus Angst.

Für den genauen Mechanismus bei Fieber und seiner Nützlichkeit lese gerne diesen Blogartikel

Der Hebel, den die meisten Eltern übersehen

Hier liegt für mich der wichtigste Gedanke in diesem ganzen Thema.

Die meisten Eltern glauben, das Immunsystem muss zwischen den Infekten gestärkt werden. z.B. mit Vitaminen, Säften, Kügelchen oder mehr Obst.

Das alles kann sinnvoll sein und unterstützen aber einer der größten Hebel liegt noch ganz woanders: im Infekt selbst. Darin, wie du dein Kind begleitest, wenn es krank ist.

Ein Infekt, der begleitet wird statt bekämpft, der zu Ende gehen darf, bei dem das Kind Ruhe bekommt und gesehen wird, ist eine Trainingseinheit. Ein Infekt, der weggedrückt und übergangen wird, ist oft nur verschoben.

Und weißt du, was das Schönste daran ist: Diesen Hebel hast du jedes Mal selbst in der Hand.

Was du heute schon tun kannst

Du musst dafür nicht dein ganzes Familienleben umkrempeln. Fang mit drei Dingen an:

1. Schau zurück. Nimm dir zehn Minuten und schreib auf, wie oft dein Kind seit September krank war, was du gegeben oder getan hast und was jeweils vorher los war. Viele Eltern sehen dabei zum ersten Mal ein Muster.

2. Gib einen Tag mehr. Wenn dein Kind das nächste Mal krank ist und es irgendwie geht: Lass es einen Tag länger zu Hause, als du es sonst tun würdest. Fieberfrei ist nicht gleich gesund.

3. Frag nach dem Vorher. Statt nur aufs Symptom zu schauen, frag dich: Was war in den Tagen davor los? Die Antwort überrascht oft.

An dieser Stelle könnte ich ein ganzes Manifesto schreiben darüber, wie in unseren westlichen Gesellschaftsstrukturen an alles nur nicht an das, was Kinder wirklich brauchen, gedacht wird. Glaub mir, ich als Alleinerziehende kann es nur zu gut verstehen, dass es oft nicht möglich erscheint, das Kind noch länger zu Hause zu lassen nach einer Krankheit oder Pausetage einzubauen, wenn man merkt, dass es den Kleinen zu viel wird. Aber wie sooft zahlt sich Prävention langfristig aus.

Ich habe keine offiziellen Statistiken für dich, – wer hätte auch Interesse an solchen Studien – kann es dir aber aus meiner eigenen und der Erfahrung von zahlreichen Familien berichten: Kinder, die krank sein und sich richtig auskurieren dürfen, sind später weniger krank.

„Heißt das, ich soll mein Kind jetzt einfach vor sich hinleiden lassen?“

Nein. Das sollst du nicht. Und das könnte mein Mamaherz auch gar nicht ertragen. Es gibt noch einen dritten Weg zwischen Symptome wegdrücken und Nichtstun und der heißt: Begleiten.

Und genau darum geht es in meiner kostenlosen Online-Challenge „Fit für den Winter – Family Edition“ vom 12. bis 14. November.

In drei Tagen zeige ich dir, warum dein Kind so oft krank wird, wie du es so begleitest, dass es gestärkt aus jedem Infekt kommt, und wie du selbst entscheidest, wann du begleitest und wann der Arzt dran ist. Am Donnerstag und Freitag bekommst du morgens ein Video per Mail, am Samstag treffen wir uns in einem Live-Call.

Ich freu mich auf dich

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert